Angst und Panikreaktionen

Jutta Michaud | Berlin

Ein Wohnzimmer mit zwei Stühlen und einem Tisch.

Was sind Angst und Panikreaktionen?

Niemand hat gerne Angst. Dabei ist Angst grundsätzlich etwas Gutes: Ein kleines Wunder, das unser Gehirn innerhalb von Millisekunden vollbringt, um uns vor Gefahren zu schützen.

Mit dem Sympathikus setzt das Gehirn ein unwillkürliches Programm zur Aktivierung des vegetativen Nervensystems in Gang. Blitzschnell verengen sich die Blutgefäße, wird Adrenalin ausgeschüttet, werden Herzschlag und Puls beschleunigt. Der Blutdruck springt in die Höhe, die Muskeln ziehen sich zusammen. Kurz: das Gehirn schaltet auf Fluchtmodus. Schmerzgefühle werden unterbrochen, bis wir in Sicherheit sind. Zum Problem wird Angst erst, wenn sie im Übermaß auftritt und damit das Erleben und Verhalten beeinflusst.

Dummerweise kann unser Gehirn nicht zwischen echter und unechter Gefahr unterscheiden. Haben wir traumatische Situationen erlebt oder verbinden wir mit Menschen, Tieren oder bestimmten Situationen grausame Erfahrungen, reagiert das Gehirn mit der gleichen Vehemenz auf grundsätzlich harmlose Reize. In solchen Fällen spricht man von Panikreaktionen.

Menschen, die solche Momente kennen, vermeiden Situationen und Orte, die mit ihren Angsterfahrungen verbunden sind. Der Schulbesuch scheitert an der Pforte, weil das Klassenzimmer mit Demütigungen verbunden wird.

  • Abschlüsse kommen nicht zustande, weil Prüfungen vermieden werden.
  • Öffentliche Verkehrsmittel können aufgrund von Symptomen einer Panikstörung, wie Herzrasen und Atemnot, nicht genutzt, Konzerte oder Weihnachtsmärkte nicht mehr besucht werden, weil Menschenmengen die Angst vor Kontrollverlust und Panikattacken auslösen.
  • In besonders schweren Fällen wird die Wohnung nicht mehr verlassen.
Frau mit langem Haar, die nach unten blickt und ihren Kopf auf den Knien vor einem grauen Hintergrund mit Farbverlauf ablegt.

Angstkreislauf

Für den Augenblick scheint Vermeidung hilfreich zu sein. Doch leider weiten Ängste sich durch Vermeidung aus. „Negative Verstärkung“ nennt man das in der Verhaltenstherapie. Was zunächst entlastet und deshalb ins Verhaltensrepertoire aufgenommen wird, entwickelt sich langfristig zu einem ernsthaften Problem: Angst vor der Angst.

Es gibt nur einen Weg, den Angstkreislauf dauerhaft zu unterbrechen: sich der Angst stellen, sie von allen Seiten zu betrachten und dabei die Erfahrung machen, sie bewältigen zu können.

Dabei hilft es, zunächst den Parasympathikus zu aktivieren. Das ist ein körperliches „Gegenprogramm“, welches für die Harmonisierung der körperlichen Abläufe zuständig ist und hilft, körperliche Symptome einer Panikstörung wie Atemnot und Herzrasen zu kontrollieren. Er kann durch den Wechsel zwischen körperlicher An- und Entspannung beeinflusst werden. Entspannt sich die Muskulatur, lassen Ängste und auch Symptome einer Panikattacke, wie Atemnot und Übelkeit, nach. Deshalb sind Entspannungstechniken zur Überwindung von Ängsten grundlegend. Ich arbeite mit progressiver Muskelentspannung nach Jacobsen, autogenem Training und mit Pilates, um die weitere Arbeit vorzubereiten und aufkommende Symptome wie Atemnot und Herzrasen während einer Panikattacke zu lindern.

Pilates kann helfen

Beim Pilates lernt man, nicht nur die großen Muskelgruppen zu beeinflussen, sondern besonders die feine Muskulatur in Bauch und Beckenboden, wo jene Organe sitzen, die durch das vegetative Nervensystem gesteuert werden. Gleichzeitig konzentriert man sich bei den Pilatesübungen stark auf die Atmung und das Geschehen in der Körpermitte. Andere Gedanken geraten dabei aus dem Fokus und bewirken somit ein weiteres Element, das gegen die Angst hilft: die Unterbrechung schädlicher Gedanken, kurz Gedankenstopp genannt. Wichtig zu wissen: Bei all diesen Methoden kommt es auf Ihre Mitarbeit an. Veränderungen können sich nur einstellen, wenn Sie wirklich bereit sind, zu Hause und/oder unterwegs zu üben!
Ein verzweifelter Mann sitzt auf dem Boden und bedeckt sein Gesicht mit den Händen. Er trägt ein graues Langarmhemd und eine schwarze Hose.

Angst und Panik

Schwarzweißbild eines Mannes im Rollkragenpullover, der nach seinem Schatten an einer Wand greift.

Die anfängliche Angstreaktion dient als nützlicher Mechanismus, um uns wirksam zu benachrichtigen und uns vor potenziellem Schaden zu schützen. Es löst einen erhöhten physiologischen Zustand aus, der durch verschiedene körperliche Erscheinungen wie beschleunigten Herzschlag, schnelle Atmung, Schweißausbrüche und Muskelverspannungen gekennzeichnet ist. 

Diese körperlichen Reaktionen schärfen effektiv unser Bewusstsein und ermöglichen eine schnelle Reaktion auf drohende Bedrohungen.

Wenn der evolutionäre Überlebensmechanismus dauerhaft aktiviert wird, ohne dass eine tatsächliche Bedrohung besteht, wird er als Angststörung eingestuft, die eine angemessene Behandlung erfordert.

Angststörungen äußern sich in verschiedenen Formen, am häufigsten sind:

Phobien:

Angst- und Panikstörungen

Angst- und Panikstörungen sind psychische Erkrankungen, die durch übermäßige und anhaltende Sorgen, Furcht und Panik gekennzeichnet sind. Diese Störungen, z.B. Panikattacken und Herzrasen, können die täglichen Aktivitäten und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, oft bis zu dem Punkt, dass Betroffene beginnen, Situationen zu vermeiden. Entspannungsverfahren können helfen, Ängste zu reduzieren. Entspannungsverfahren können eine wirksame Methode sein, um Ängste zu reduzieren und die psychische Gesundheit zu verbessern. Durch regelmäßige Anwendung von Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Atemübungen kann eine deutliche Reduktion von Angstsymptomen erreicht werden. Diese Verfahren ermöglichen es, den Geist zu beruhigen und den Körper zu entspannen, was wiederum dazu beiträgt, den Stresspegel zu senken und die Angst zu verringern, die zu einer Panikattacke führen kann. Studien haben gezeigt, dass regelmäßiges Üben von Entspannungstechniken die emotionale Regulation verbessert und das allgemeine Wohlbefinden steigert.

Selbstbewusstsein stärken

Weiterhin können Entspannungsverfahren dazu beitragen, negative Gedankenmuster zu durchbrechen und das Selbstbewusstsein zu stärken.

Es ist wichtig zu betonen, dass Entspannungsverfahren als ergänzende Therapiemethode bei der Behandlung von Angststörungen betrachtet werden sollten und nicht als alleinige Lösung. Es ist ratsam, bei Symptomen einer Panikstörung, wie Herzrasen oder Übelkeit, professionelle Unterstützung zu suchen, um eine ganzheitliche Behandlung zu gewährleisten.

Die Kombination von Entspannungstechniken mit anderen Therapiemethoden wie kognitive Verhaltenstherapie oder Medikation kann die Effektivität der Behandlung erhöhen.

Insgesamt ist zu erkennen, dass Entspannungsverfahren eine bedeutende Rolle bei der Reduzierung von Ängsten spielen können, indem sie die emotionale Regulation verbessern, den Stress verringern und das allgemeine Wohlbefinden steigern. 

Es ist wichtig, dass Betroffene die verschiedenen Möglichkeiten der Entspannungstechniken kennenlernen und diejenigen finden, die am besten zu ihren Bedürfnissen passen.